Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen …

Der Entschluss reift

Datum:

 

Autor:

 


Obwohl ich als Fotograf einen Beruf habe, der mich nun schon seit 45 Jahren erfüllt, obwohl ich zwei wunderbare Kinder und zwei genauso wunderbare Enkelkinder habe, reift bei mir der Entschluss, noch einmal neu anzufangen. Ich möchte ausschließlich das machen, was ich mir schon lange gewünscht habe: Segeln! Und zwar um die ganze Welt.

Wenn ich mich so umsehe, dann verkaufen viele Eigner ihre Boote, wenn sie in mein Alter kommen, und es macht mich nachdenklich, dass bei mir der Gedanke immer stärker wird, jetzt endlich eine Segelyacht zu kaufen. Habe ich da etwas übersehen? Ist es vermessen, wenn man mit fast 70 noch neue Pläne schmiedet? Schätze ich meine Gesundheitsentwicklung im Alter falsch ein? Werde ich den Herausforderungen einer Weltumsegelung auch mit über 70 Jahren noch gerecht? Kann ich mich an das Leben auf dem beengtem Raum einer Segeljacht gewöhnen? Werden mir die anfallenden Herausforderungen über den Kopf wachsen?

Ich empfinde die Welt um mich herum immer mehr als dystopisch sie gerät immer mehr aus den Fugen. Der Krieg in Europa ist wieder zu einem realen Gedankenkomplex geworden, die Gesellschaft in Amerika schafft es nicht, sich von einem psychopathischen Diktator zu befreien, und die Politik in China versucht immer ungenierter, über wirtschaftliche und soziale Kontrolle eine globale Vormachtstellung zu erlangen. Die weltweiten Probleme nehmen rapide zu, und die Fähigkeit darauf zu reagieren nimmt in dramatischem Ausmaß ab. Das hat gravierendere Auswirkungen auch auf mein individuelles Leben. Die Bundeswehr rekrutiert Soldaten in der Schule meiner Tochter, (auch wenn das noch niemand so nennen möchte). Als Fotograf muss ich mich der Datenschutzverordnung in Deutschland unterziehen und weiß gleichzeitig, dass Daten (nicht nur auf amerikanischen Servern) nicht sicher sind. Für die Energienutzung bezahle ich immer mehr meines verfügbaren Einkommens. Die Luft, die ich in München atme, macht mich wegen Feinstaub und anderen Emissionen krank. Die Temperatur ist in meiner Wohnung im Sommer kaum mehr erträglich, die bayerischen Flüsse und Seen werden zunehmend zu Rinnsalen und Pfützen, und die Gletscher, die ich als junger Bergsteiger noch mit Begeisterung erstiegen habe, sind kaum noch existent.

Wie kann ich als Individuum darauf reagieren, wie schaffe ich es, mich von diesen Entwicklungen zumindest ein bisschen abzukoppeln? Indem ich um die Welt segle, quasi ein Bayer allein auf dem Meer? Das wird die Welt wohl nicht verändern. Aber es wird mir die Möglichkeit geben, Menschen zu treffen, Dinge zu erleben, über Naturwunder zu staunen, die vielleicht schon in wenigen Jahren nicht mehr existent sind. Und ich möchte über all das so berichten, dass ich den ein oder anderen damit begeistern kann. Da schlägt immer noch das Herz des Geschichten erzählenden Fotografen in meiner Brust. Nicht ich und meine Erlebnisse sollen zentraler Bestandteil meiner Berichte sein, sondern die Welt die ich erfahre. Die Geschichte ist nicht der Silbersegler aus Bayern, sondern die Geschichten sind die Menschen, die die ich treffe, die Wunder der Welt, die ich hoffentlich erfahre.